HIV: Heterosexuelle werden später diagnostiziert

hiv pills

In Deutschland erkranken jährlich etwa 1000 Menschen an Aids. Viele Betroffene erhalten ihre HIV-Diagnose erst, wenn sie bereits deutliche Symptome eines Immundefektes zeigen. „Spätdiagnosen betreffen oft Menschen, bei denen man nicht mit HIV rechnet“, heißt es bei der Deutschen AIDS-Hilfe. Diese Aussage kann auch Carsten Bock bestätigen, der seit 13 Jahren für den Potsdamer Verein Katte e.V.  kostenlose HIV-Tests und Beratungen für HIV-positive Menschen anbietet.

Bocks Erfahrung zeigt, dass seine heterosexuellen Klientinnen und Klienten anders mit der Diagnose umgehen als schwule Positive: „Heteros sind oft schlechter informiert und wissen weniger über die Ansteckungswege. Für Schwule gehört das Thema zum Alltag. Das Bewusstsein ist ein ganz anderes.“

Während queere Magazine wie die Berliner “Siegessäule” ganz selbstverständlich Anzeigen für HIV-Ärzte schalten, bleibt die Krankheit außerhalb des schwulen Lebens nahezu unsichtbar.  Weil HIV in unserer Gesellschaft noch immer als „Schwulenkrankheit“ wahrgenommen wird, sind heterosexuelle Positive weniger sichtbar und leiden stärker unter der Stigmatisierung, die noch immer mit der Krankheit einhergeht.

Besonders Frauen entwickeln im Zuge einer positiven Diagnose häufig Depressionen. „Von den HIV-positiv-getesteten Menschen in Brandenburg gehen rund zwei Drittel der Frauen arbeiten, bei den Männern gibt es so gut wie keine Ausfälle“, so Bock. „Für schwule Männer kommt die Diagnose häufig einem Befreiungsschlag gleich, der das Damoklesschwert ablöst, das bis dahin über ihnen schwebte. Für Heteros ist die Krankheit öfter mit Ängsten verbunden“, erklärt der Aidsberater weiterhin.

hiv medicine
HIV-Medikamente: Das Präparat “Truvada” wirkt auch präventiv. Es kann eingenommen werden, um eine Ansteckung mit HIV zu verhindern.

Die häufigsten Fragen von heterosexuellen Männern in Bocks Beratung betreffen die Familienplanung oder die Suche nach einer HIV-positiven Partnerin. Auch Möglichkeiten zum Verheimlichen der Krankheit werden überwiegend von heterosexuellen Männern nachgefragt.

HIV-positive Frauen stellen häufig die „komplexen und anspruchsvollen Fragen“, erklärt Bock. Sie fürchten sich vor Diskriminierung und möchten wissen, wie sie mit ihrer Diagnose auf der Arbeit und im Familienkreis umgehen können.

Die Stigmatisierung von HIV verhindert, dass sich mehr – vor allem heterosexuelle – Menschen testen lassen.

Seit Oktober sind HIV-Selbsttests für das anonyme Testen daheim in deutschen Apotheken erhältlich. Bocks große Hoffnung ist, dass damit auch Menschen erreicht werden, die sich nicht in seine Beratungsstelle trauen.

 

Schreib eine Antwort

Deine E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ähnliche Beiträge